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Kaipa "Keyholder" (InsideOut/SPV)
Ein Steve Hackett allein macht noch keinen Sommer.
Da kommt uns "Keyholder" doch gerade recht.
Die Schweden Kaipa setzen mit ihrem neuen Album ein deutliches Ausrufezeichen
und das tut wohl nicht nur der Musikszene gut. Auch im Hause InsideOut
wird sich etwas Erleichterung breit machen, gerieten doch einige Veröffentlichungen
der letzten Zeit nicht gerade zu Sternstunden des Genres.
Und da Spock's Beard nun inzwischen enthemmt, aber oft zu einfallslos
rocken oder Enchant nur noch im Mittelmaß dümpeln, könnte
die Formation um den Keyboarder und Komponisten Hans Lundin durchaus zum
neuen Vorzeigekind des Labels werden. Rein musikalisch gesehen sind sie
das mit diesem überaus stark geratenen Album sowieso schon. Was in
diesem Maße nicht unbedingt zu erwarten war. Zwar konnte nach langjähriger
Abwesenheit letztes Jahr mit "Notes From The Past" ein liebenswertes
und in Teilen auch ansprechendes Comeback gefeiert werden, aber schon
recht kurz danach ging das Thema Kaipa in der Flut der vielen Konkurrenzprodukte
wieder unter.
Es müsste aber mit dem Teufel zugehen, sollte ihnen dieses Missgeschick
mit "Keyholder" erneut passieren!
Aber was ist nun eigentlich anders? Stilistisch gesehen ist sicher (fast)
alles beim Alten geblieben: klassischer, aber zum Glück nie angestaubt
wirkender und mäßig komplexer Prog mit symphonischen Passagen,
die mit angenehm wenig Bombast auskommen. Und selbstverständlich
werden Assoziationen an die Größen vergangener Tage geweckt
(allein das Analog-Equipment Lundins spricht ja Bände). Es wird auch
mal der eine oder andere krumme Takt gespielt, die prophezeiten Jazz-Anleihen
sind allerdings nur in Spurenelementen zu finden. Die Folk-Einflüße
wurden ebenfalls bis auf ein Maß heruntergeschraubt, das im Gesamtbild
kaum mehr auffällt.
Nun, zusammengefasst sind sie wohl am ehesten mit Gitarrist Roine Stolts
Stammcombo zu vergleichen. Wer aber braucht schon "Flower Kings light",
fragt ihr? Ganz einfach: alle die, die Musik hören wollen, die vielleicht
auch nach ein paar Jahren noch begeistern kann. Und die Chancen, daß
"Keyholder" zu einem zeitlosen Album reifen könnte, sind
gut.
Acht ausnahmslos zwingende Kompositionen - allesamt mit unglaublich prägnanter
Melodieführung - stehen zu Buche, von denen in meinen Augen das dreizehn
Minuten lange "Distant Voices" den Höhepunkt darstellt.
Außerordentlich erwähnenswert sind neben dem leidenschaftlichen
Gesang Patrik Lundströms (bei Ritual zu Hause) das mitreißende
Spiel der Mitwirkenden, das nicht nach nüchternem Studio, sondern
eher nach schweißtreibender Bühnenatmosphäre klingt.
Ach ja, bevor ich's vergesse...das Cover - Computer-Art, die weder mit
den Texten noch mit der Musik korrespondiert - ist ein einziges Ärgernis!
Ansonsten ziehe ich ehrlich meine Kappe vor Kaipa!
MG
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