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das magazin für progressiven rock und artverwandtes

Sendung | Playlist 07.09.2003

Kaipa "Keyholder" (InsideOut/SPV)

Ein Steve Hackett allein macht noch keinen Sommer. Da kommt uns "Keyholder" doch gerade recht.

Die Schweden Kaipa setzen mit ihrem neuen Album ein deutliches Ausrufezeichen und das tut wohl nicht nur der Musikszene gut. Auch im Hause InsideOut wird sich etwas Erleichterung breit machen, gerieten doch einige Veröffentlichungen der letzten Zeit nicht gerade zu Sternstunden des Genres.

Und da Spock's Beard nun inzwischen enthemmt, aber oft zu einfallslos rocken oder Enchant nur noch im Mittelmaß dümpeln, könnte die Formation um den Keyboarder und Komponisten Hans Lundin durchaus zum neuen Vorzeigekind des Labels werden. Rein musikalisch gesehen sind sie das mit diesem überaus stark geratenen Album sowieso schon. Was in diesem Maße nicht unbedingt zu erwarten war. Zwar konnte nach langjähriger Abwesenheit letztes Jahr mit "Notes From The Past" ein liebenswertes und in Teilen auch ansprechendes Comeback gefeiert werden, aber schon recht kurz danach ging das Thema Kaipa in der Flut der vielen Konkurrenzprodukte wieder unter.

Es müsste aber mit dem Teufel zugehen, sollte ihnen dieses Missgeschick mit "Keyholder" erneut passieren!

Aber was ist nun eigentlich anders? Stilistisch gesehen ist sicher (fast) alles beim Alten geblieben: klassischer, aber zum Glück nie angestaubt wirkender und mäßig komplexer Prog mit symphonischen Passagen, die mit angenehm wenig Bombast auskommen. Und selbstverständlich werden Assoziationen an die Größen vergangener Tage geweckt (allein das Analog-Equipment Lundins spricht ja Bände). Es wird auch mal der eine oder andere krumme Takt gespielt, die prophezeiten Jazz-Anleihen sind allerdings nur in Spurenelementen zu finden. Die Folk-Einflüße wurden ebenfalls bis auf ein Maß heruntergeschraubt, das im Gesamtbild kaum mehr auffällt.

Nun, zusammengefasst sind sie wohl am ehesten mit Gitarrist Roine Stolts Stammcombo zu vergleichen. Wer aber braucht schon "Flower Kings light", fragt ihr? Ganz einfach: alle die, die Musik hören wollen, die vielleicht auch nach ein paar Jahren noch begeistern kann. Und die Chancen, daß "Keyholder" zu einem zeitlosen Album reifen könnte, sind gut.

Acht ausnahmslos zwingende Kompositionen - allesamt mit unglaublich prägnanter Melodieführung - stehen zu Buche, von denen in meinen Augen das dreizehn Minuten lange "Distant Voices" den Höhepunkt darstellt.

Außerordentlich erwähnenswert sind neben dem leidenschaftlichen Gesang Patrik Lundströms (bei Ritual zu Hause) das mitreißende Spiel der Mitwirkenden, das nicht nach nüchternem Studio, sondern eher nach schweißtreibender Bühnenatmosphäre klingt.

Ach ja, bevor ich's vergesse...das Cover - Computer-Art, die weder mit den Texten noch mit der Musik korrespondiert - ist ein einziges Ärgernis! Ansonsten ziehe ich ehrlich meine Kappe vor Kaipa!

MG

 
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